Orientteppiche: von der Antike bis zur Gegenwart

In der Antike, als das Weben als Kunst gerade aufkam, waren orientteppich reine Gebrauchsgegenstände. Es handelte sich hauptsächlich um einfache, stabile Matten, die verhinderten, dass die nackten Füße auf dem Boden kalt wurden.

Doch nicht überall beschränkte man sich auf grob geknüpfte Matten: Im Nahen Osten entstand damals die Kultur der Herstellung von Vliesteppichen mit komplizierten Mustern (die später Orientteppiche genannt wurden).

Natürlich dauerte es damals buchstäblich Jahre, ein solches Meisterwerk zu schaffen – und eine solche Dekoration war nicht für jeden erschwinglich. Nur sehr

reiche Adlige oder Padischahs konnten echte iranische Teppiche vorweisen. Selbst in den Nachbarländern wurde jeder – auch kleine – handgewebte Filzteppich als größter Schatz gehütet.

Doch die Zeit verging und die Mode für orientalische Teppiche verbreitete sich in der ganzen Welt…

Iranische Teppiche im Mittelalter und darüber hinaus
So seltsam es klingen mag, die für Europa und die östlichen Länder verheerenden Kreuzzüge brachten den Teppichen aus dem Osten echte Popularität.

Wenn die Kreuzfahrer nach Hause zurückkehrten, brachten sie viele Kuriositäten mit, darunter auch die, die sie aus den Teppichgeschäften mitnahmen. Und die Webereiprodukte der Kunsthandwerker aus dem Nahen Osten waren von großem Geschmack der europäischen Aristokratie. Einen echten iranischen Teppich zu haben, war sehr prestigeträchtig. Sie wurden an den Wänden und nicht auf dem Boden platziert, als Dekoration der Haupthalle.

Diese Zeit ist die wahre Blütezeit der Teppichweberei als Kunst, denn die Nachfrage schafft zwangsläufig ein Angebot. Nach und nach übernahmen sie die Technologie und begannen, ihre eigenen Teppichläden in Europa einzuführen, mit einer Qualität der Waren, die manchmal genauso gut ist wie die importierten.

Darüber hinaus werden neue Techniken erfunden und es bilden sich Zünfte, die iranische Teppiche reproduzieren und beginnen, ihre eigenen Designs und sogar die gesamten gewebten Bilder der Tapisserie zu schaffen.

Wir nähern uns jedoch allmählich unserer Zeit…

Ein moderner Ostteppich
Die Jahrhunderte vergingen, die Technologie änderte sich, aber im Großen und Ganzen blieben die Teppiche gleich: Sie waren furchtbar zerbrechlich (nach modernen Standards) und furchtbar teuer. Selbst nach der industriellen Revolution des 20. Jahrhunderts konnte man nicht die Fülle der Auswahl sehen, die wir jetzt in jedem guten Teppichgeschäft sehen können.

Unsinn: Denken Sie nur an Ihre Großväter und Großmütter. Erinnern Sie sich einfach daran, welchen Wert ein angeblich iranischer, weißrussischer Teppich zu ihrer Zeit hatte. Vielleicht hängt aber auch jetzt ein schweres, mit allen Farben spielendes klassisches orientalisches Teppichmuster an Ihrer Wand?

Doch noch vor wenigen Jahrzehnten änderte sich das Bild bis zur Unkenntlichkeit. Neue Präzisionsfertigungstechniken, clevere Elektronik und innovative Materialien haben zu dem geführt, was wir in den Regalen der Teppichgeschäfte sehen: atemberaubende Fülle zu einem erschwinglichen Preis.

Sie möchten einen Langhaarteppich für Ihr Schlafzimmer? Gern geschehen. Sie brauchen einen Teppich für das Kinderzimmer? Wählen Sie aus!

Natürlich hat sich auch der klassische Orientteppich verändert. Heute ist aus dem fadenscheinigen, krummen Luxus ein strapazierfähiger, extra dicker, gleichmäßiger Florteppich mit klarem Muster geworden, der Jahrzehnte überdauern kann, ohne seine Eigenschaften zu verlieren. Klassische orientalische Motive sind aber immer noch leicht unter kasachischen oder hochwertigen usbekischen Teppichen zu finden.

Wird sich das in Zukunft ändern? Mal sehen, alles ist möglich.